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Gelebter Internationalismus

Details

Datum:
20. Februar 2020
Zeit:
19:00 bis 21:00
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Veranstaltungsort

Roter Bogen (Gürtelbogen 36), 1080 Wien
Bild: (c) SPÖ-Josefstadt

– Österreichische Linke und der algerische Widerstand

Input und Diskussion mit Fritz Keller

In den Fünfzigern entstand in Österreich eine von Jungsozialisten getragene Aktivistengruppe, die die Diskussion über Algerien nicht nur publizistisch beeinflusste, sondern praktische Unterstützung für den FLN organisierte. Von besonderem Interesse ist dieses Engagement, weil es keineswegs von Unbekannten betrieben wurde: Mit Erwin Lanc und Karl Blecha waren spätere Außen- und Innenminister der sozialdemokratischen Reformregierungen der siebziger und achtziger Jahre direkt in die oft am Rande der Legalität angesiedelten Aktionen involviert. Mit Bruno Kreisky und Rudolf Kirchschläger unterstützten auch der spätere Kanzler und der spätere Bundespräsident die Hilfe für den FLN

In seiner Studie „Gelebter Internationalismus“ beschreibt Fritz Keller die Streits, die es in der Sozialistischen Internationale mit den französischen Sozialisten über die Algerien-Frage gab, und skizziert neben dem Engagement der SPÖ die Algerien-Politik der KPÖ sowie der österreichischen Trotzkisten. Zu den instruktivsten Passagen der Studie gehört die Darstellung der Konflikte in der österreichischen Sozialdemokratie: Deren linker Flügel um Josef Hindels forderte die bedingungslose Unterstützung des »nationalrevolutionären« Antikolonialismus, das pragmatische Zentrum um Bruno Kreisky setzte ebenfalls auf eine Unterstützung des FLN. Der rechte Parteiflügel hingegen agitierte gegen eine blinde Unterstützung des islamischen Panarabismus und verwies auf die Kooperation dieser Kräfte mit dem Nationalsozialismus, die sich bis in die Gegenwart fortsetze.

 

Zur Person Dr. Fritz Keller:

Fritz Keller wurde 1950 in Wien-Favoriten geboren und trat nach der Mittelschule  in den Magistrat der Stadt Wien ein. Als Aktivist der 68er-Bewegung verfasste er neben seiner Tätigkeit als Lebensmittel- und Gewerbepolizist sowie als Personalvertreter und Gewerkschaftsfunktionär (zuletzt im Zentralvorstand der Gewerkschaft der Gemeinde­bediensteten) als Historiker und Publizist eine Fülle von Büchern und Artikeln zur Geschichte der Arbeiterinnen- und Jugendbewegungen.